Diese Seite beschreibt, was Memnoora im Zusammenhang mit Halal tatsächlich leistet und was ausdrücklich nicht. Sie ist bewusst nüchtern gehalten. Wer sich hinter Werbesprache versteckt, wirkt so, als hätte er etwas zu verbergen.
1. Was wir prüfen
Wenn ein Partnerbetrieb ein Halal-Zertifikat vorlegt, prüfen wir die ausstellende Stelle: ob es sie gibt, ob sie im Bereich der Halal-Zertifizierung tätig ist und ob das eingereichte Dokument von ihr stammt. Wenn der Aussteller nicht auf der Liste uns bekannter Stellen steht, sehen wir ihn uns einzeln an.
Das eingereichte Dokument selbst zeigen wir dir in der App an, mit Ausstellungs- und Ablaufdatum. Du siehst also nicht unser Urteil über ein Zertifikat, sondern das Zertifikat.
Und wenn uns eine begründete Meldung erreicht, verlangen wir vom Betrieb die Belege zur Herkunft der betroffenen Ware und sehen sie uns an. Seine Zusage allein genügt dafür nicht. Das ist eine Prüfung aus Anlass und keine laufende Kontrolle: Wir sehen sie uns an, wenn es einen Grund gibt, und nicht von sich aus in regelmäßigen Abständen.
2. Was wir nicht tun
Damit es keine Missverständnisse gibt, hier ausdrücklich:
- Wir zertifizieren nicht selbst. Memnoora ist keine Zertifizierungsstelle und stellt keine Halal-Zertifikate aus.
- Wir überwachen die Betriebe nicht laufend. Es gibt keine regelmäßige Kontrolle, auf die du dich verlassen könntest.
- Wir prüfen keine einzelnen Gerichte und analysieren keine Zutaten.
- Wir geben keine Garantie dafür ab, dass eine bestimmte Speise halal-konform ist. Ein Versprechen, das man nicht halten kann, ist schlechter als gar keines.
3. Wozu sich unsere Partner verpflichten
Aufnahmegrundlage ist nicht das Zertifikat, sondern eine Vereinbarung, die jeder Betrieb vor der Freischaltung unterzeichnet. Darin verpflichtet er sich, für alle über Memnoora angebotenen Speisen und Getränke durchgehend die vereinbarten Halal-Anforderungen einzuhalten, unabhängig davon, ob ein Zertifikat vorliegt, gültig oder abgelaufen ist.
Im Kern sind das:
- Ein durchgehend halal-konformer Betrieb. Er führt überhaupt keine nicht halal-konformen Speisen und Getränke, auch nicht außerhalb von Memnoora. Deshalb gibt es keine Regeln zur Trennung von Arbeitsflächen und Lagerräumen: Es steht nichts nebeneinander, das getrennt werden müsste.
- Kein Alkohol, in keiner Form und ohne Mengenschwelle, auch nicht beim Kochen und nicht in Aromen oder Glasuren.
- Kein Schweinefleisch, kein Blut, kein Fleisch von Tieren ohne rituelle Schlachtung, keine Stoffe aus Insekten, also kein Karmin (E120) und kein Schellack (E904), und keine Gelatine und keine Zusatzstoffe von Tieren ohne rituelle Schlachtung.
- Fleisch und Geflügel mit belegbarer Herkunft. Entweder ein gültiges Halal-Zertifikat des Lieferanten, oder die Papiere eines zugelassenen Schlachtbetriebs, oder die eigene Dokumentation, wenn der Betrieb selbst schlachtet oder schlachten lässt.
- Kennzeichnung dessen, worüber die Rechtsschulen streiten. Meerestiere außer Fisch, Pferdefleisch und tierisches Lab bleiben zulässig, müssen aber in der Beschreibung des Gerichts stehen. Warum, steht in Punkt 5.
- Weitergabe dieser Anforderungen an Lieferanten und Personal.
- Kenntnis der Herkunft der maßgeblichen Zutaten und Vorlage der vorhandenen Belege auf Anfrage. Ein Archiv muss der Betrieb dafür nicht führen.
Wenn sich im Betrieb etwas ändert, das die Halal-Konformität berührt, etwa ein Wechsel des Fleischlieferanten, muss der Betrieb uns das unverzüglich mitteilen.
Der vollständige Wortlaut steht in Punkt 4 der Partnerbedingungen und in Anhang A.
Wenn du eine Meldung machst. Erreicht uns ein begründeter Hinweis, informieren wir den Betrieb und geben ihm sieben Tage zur Stellungnahme. Er muss an der Aufklärung mitwirken und auf Verlangen seine Nachweise vorlegen. Die Folgen reichen bis zur Beendigung der Partnerschaft. Melden kannst du an office@memnoora.at (Punkt 12.7 der Kundenbedingungen).
4. Was ein abgelaufenes Zertifikat bedeutet
Zunächst: ein abgelaufenes Zertifikat ist ein Datum, kein Urteil über die Küche.
Zertifizierungen kosten Geld, und zwar jedes Jahr wieder. Manche Betriebe erneuern sie nicht, ohne deshalb ihre Arbeitsweise zu ändern. Das gilt gerade für kleine Familienbetriebe, bei denen der Betrag spürbar ist. Die vertragliche Verpflichtung aus Punkt 3 läuft unverändert weiter. Sie hängt nicht am Zertifikat.
Deshalb:
- Ein fehlendes oder abgelaufenes Zertifikat führt nicht zum Ausschluss von der Plattform.
- Wir erinnern Betriebe 30 und 7 Tage vor Ablauf höflich an eine mögliche Erneuerung, und dabei bleibt es.
- Was wir sehr wohl tun: den Zustand offen anzeigen. Gültig, abgelaufen, in Prüfung oder nicht vorhanden: du siehst es auf der Seite des Betriebs, bevor du bestellst.
Was ein abgelaufenes Zertifikat nicht bedeutet: dass der Betrieb die Anforderungen aufgegeben hat. Was es auch nicht bedeutet: dass wir für die Zeit davor etwas geprüft hätten, das über den Aussteller hinausgeht.
5. Deine Entscheidung
Wir liefern Grundlagen, keine Urteile: das Dokument, sein Datum, die vertragliche Verpflichtung des Betriebs und einen Weg, Auffälligkeiten zu melden. Was daraus folgt, entscheidest du nach eigenem Wissen und Gewissen.
Deshalb legen wir uns auf keine Rechtsschule fest. Die vier sunnitischen Rechtsschulen sind sich in den Kernverboten einig, urteilen in einzelnen Fragen aber seit Jahrhunderten unterschiedlich. Das betrifft etwa Garnelen und andere Meerestiere, Pferdefleisch und tierisches Lab im Käse. Wir schließen diese Zutaten nicht aus, weil eine Entscheidung darüber nicht uns zusteht. Stattdessen müssen die Betriebe sie in der Beschreibung des Gerichts benennen. Du liest also, was drin ist, und entscheidest selbst.
An drei Stellen sind wir strenger, und das ist unsere Entscheidung, nicht die einer Rechtsschule: kein Alkohol, keine Stoffe aus Insekten, und keine Gelatine und keine Zusatzstoffe von Tieren ohne rituelle Schlachtung.
Der Grund ist bei allen dreien derselbe. Eine Kennzeichnung müsste die Frage offenlassen, ob der konkrete Stoff für dich in Ordnung ist, und ein Verbot lässt sie gar nicht erst entstehen. Bei Karmin (E120) steht die Mehrheit der Schulen ohnehin dagegen, und sowohl Karmin als auch Schellack (E904) stehen als E-Nummer eindeutig in der Zutatenliste eines Produkts. Bei Gelatine und tierischen Zusatzstoffen sind sich nicht einmal die Schulen einig, die sie im Grundsatz erlauben; es gibt also keine Auffassung, auf die du dich stützen könntest. Tierisches Lab ist davon ausgenommen, solange es aus einem Tier stammt, dessen Fleisch bei ritueller Schlachtung zulässig wäre: Dort geht es allein um die Schlachtung, und dazu gibt es klare Auffassungen.
Wenn dir etwas wichtig ist, das hier nicht steht, frag den Betrieb direkt. Seine Kontaktdaten stehen im Info-Bereich jeder Restaurantseite. Die Betriebe sind uns gegenüber verpflichtet, während der Öffnungszeiten für solche Fragen erreichbar zu sein und Auskunft zu geben. Zu fragen ist der direkteste Weg zu einer Antwort, die wir dir nicht geben können.
Stand: 13.09.2026