Anhang A: Halal-Anforderungen

Fassung ANH-A-2026-02 · Stand 13.09.2026

Dieser Anhang ist Bestandteil der Partnerbedingungen und konkretisiert deren Punkt 4. Bei Widersprüchen zwischen diesem Anhang und den Punkten 1 bis 19 der Partnerbedingungen gehen die Partnerbedingungen vor.


A.1 Zweck und Anwendungsbereich

Diese Anforderungen gelten für Ihr gesamtes über Memnoora angebotenes Sortiment, also für Speisen, Getränke, Beilagen, Saucen, Desserts, Überraschungsboxen und Catering. A.3 geht darüber hinaus und gilt für Ihren ganzen Betrieb.

Sie gelten unabhängig davon, ob für Ihren Betrieb ein Halal-Zertifikat vorliegt, ob dieses gültig ist oder ob es abgelaufen ist.


A.2 Wer wofür einsteht

Die Einhaltung dieser Anforderungen liegt vollständig und ausschließlich bei Ihnen. Sie kennen Ihre Lieferanten, Ihre Rezepturen und Ihre Küche. Memnoora kennt sie nicht.

Memnoora betreibt einen Marktplatz und zertifiziert nicht selbst. Wir sprechen keine Zertifizierungen aus und überwachen Ihren Betrieb nicht. Was wir tun, ist die Prüfung, ob eine ausstellende Zertifizierungsstelle existiert und einschlägig ist, die für Gäste nachvollziehbare Darstellung des eingereichten Dokuments samt seinem Status, und die Durchsicht der Unterlagen, die Sie uns auf eine Anfrage nach A.9.2 hin vorlegen.

Unsere Rolle ist die eines Vermittlers, dessen Ziel eine möglichst hohe Transparenz ist. Wir schaffen die Grundlage, auf der ein Gast selbst entscheiden kann. Wir nehmen ihm die Entscheidung nicht ab und geben keine Zusicherung über Ihre Speisen ab.

Daraus folgt: Bei einem Verstoß gegen diese Anforderungen haften Sie. Das gilt gegenüber dem Gast, gegenüber Behörden und gegenüber Memnoora nach den Punkten 16.3 und 16.4 der Partnerbedingungen.


A.3 Grundsatz: ein durchgehend halal-konformer Betrieb

Ihr Betrieb führt keine nicht halal-konformen Speisen und Getränke. Sie bereiten sie nicht zu, lagern sie nicht und verkaufen sie nicht, und zwar weder über Memnoora noch außerhalb der Plattform. Das ist Voraussetzung für die Aufnahme, und es bleibt es für die Dauer der Partnerschaft.

Deshalb enthält dieser Anhang keine Regeln zur Trennung von Arbeitsflächen, Geräten und Lagerbereichen. Eine Trennung braucht, wo beides nebeneinander besteht. Hier besteht es nicht nebeneinander, und eine Trennungsregel würde das Gegenteil nahelegen.

Wenn sich daran etwas ändert, teilen Sie uns das nach A.10 mit. Ein Verstoß gegen diesen Grundsatz ist ein Halal-Verstoß und wird nach Punkt 12.4 der Partnerbedingungen behandelt.


A.4 Memnoora legt sich auf keine Rechtsschule fest

Die vier sunnitischen Rechtsschulen stimmen in den Kernverboten überein. In einer Reihe von Einzelfragen unterscheiden sie sich. Für den Umgang damit gilt auf dieser Plattform eine einfache Aufteilung.

A.4.1 Was alle vier Schulen verbieten, ist auf der Plattform verboten. Diese Verbote sind in A.5 und A.6 ausformuliert und gelten ausnahmslos.

An drei Stellen ist die Plattform strenger als der Konsens der Schulen, und alle drei sagen das an Ort und Stelle: das Alkoholverbot in A.5, das Verbot von Stoffen aus Insekten in A.6.4 Ziffer 7 und der Ausschluss der Ware, über die auch die erlaubenden Schulen kein klares Urteil haben, in A.6.4 Ziffern 8 und 9. Es sind Regeln, die Memnoora gesetzt hat. Sie berufen sich auf keine Rechtsschule und geben nicht vor, eine Streitfrage entschieden zu haben.

Die drei reichen unterschiedlich weit, und das ist Absicht. Alkohol ist nach A.3 ohnehin im ganzen Betrieb ausgeschlossen, weil er nicht halal-konform ist. Die beiden anderen gehen über den Konsens der Schulen hinaus, und eine Regel, die wir allein setzen, binden wir nur an das, was über Memnoora läuft.

A.4.2 Wo die Schulen unterschiedlich urteilen, bleibt die Ware zulässig, wenn wenigstens eine Schule sie ausnahmslos erlaubt. Memnoora folgt keiner einzelnen Rechtsschule und maßt sich kein Urteil in einer Frage an, über die Gelehrte seit Jahrhunderten unterschiedlich entscheiden. Ein Betrieb, der nach seiner Schule zulässige Ware anbietet, wird deswegen nicht ausgeschlossen und muss sie nicht auslisten.

Das setzt voraus, dass es diese Schule gibt. Ist eine Ware auch innerhalb der Schulen umstritten, die sie im Grundsatz erlauben, dann gibt es keine Auffassung, auf die ein Gast sich stützen könnte. Solche Ware ist über Memnoora unzulässig und steht in A.6.4. Das ist keine Entscheidung darüber, wer recht hat, sondern die Folge daraus, dass eine Kennzeichnung hier nichts klärt: Sie verwiese den Gast auf ein Urteil, das so nicht vorliegt.

A.4.3 Dafür gilt eine Kennzeichnungspflicht. Enthält ein Gericht eine Zutat oder einen Stoff aus A.7, benennen Sie ihn wahrheitsgemäß in der Bezeichnung oder in der Beschreibung des Gerichts. Wie genau, sagt die letzte Spalte von A.7 je Warengruppe: Wo dort ein Beispiel in Anführungszeichen steht, genügt dieser Wortlaut; wo sie eine Angabe verlangt, etwa die Tierart, setzen Sie den zutreffenden Namen ein.

Die Kennzeichnung macht die Angabe sichtbar. Sie nimmt dem Gast die Entscheidung nicht ab, und sie verlangt von Ihnen nicht, jede mögliche Rückfrage vorwegzunehmen. Bleibt eine Frage offen, wendet sich der Gast nach A.4.4 unmittelbar an Ihren Betrieb, und Sie erteilen ihm nach Punkt 6.4 der Partnerbedingungen Auskunft.

Empfohlen, nicht verlangt: Wo eine Zutat außerhalb von A.7 erfahrungsgemäß Fragen auslöst, ist eine Angabe in der Beschreibung sinnvoll. Verpflichtet sind Sie dazu nicht.

A.4.4 Die Entscheidung liegt beim Gast. Welcher Rechtsschule ein Gast folgt und was er daraus für sich ableitet, ist seine Sache. Unsere Aufgabe ist es, ihm die dafür nötigen Angaben sichtbar zu machen. Bleibt eine Frage offen, wendet er sich unmittelbar an Ihren Betrieb, und Sie erteilen ihm nach Punkt 6.4 der Partnerbedingungen Auskunft.

Dieser Anhang ist kein religiöses Gutachten. Er trifft keine Aussage darüber, welche Auffassung zutrifft, und ersetzt keine Auskunft einer qualifizierten Stelle.


A.5 Absolutes Alkoholverbot

In Ihrem Betrieb darf Alkohol in keiner Form enthalten sein und in keiner Form verwendet werden, weder über Memnoora noch außerhalb der Plattform. Das ist der Geltungsbereich aus A.3, nicht der engere aus A.1: Alkohol ist nicht halal-konform, und A.3 schließt ihn deshalb ohnehin im ganzen Betrieb aus. A.5 sagt es ausdrücklich, weil ein absolutes Verbot nicht davon abhängen soll, wie man zwei Abschnitte zusammenliest.

Das Verbot ist eine Regel von Memnoora, keine Ableitung aus den vier Rechtsschulen. Diese verbieten berauschenden Alkohol als Getränk; über Restmengen, Aromaträger und Umwandlungsprodukte urteilen sie unterschiedlich. Wir ziehen die Grenze enger und sagen das hier, statt sie als Konsens auszugeben.

Das Verbot kennt keine Mengenschwelle. Es umfasst insbesondere:

  1. alkoholische Getränke jeder Art, auch als Zutat, Beigabe oder Dekoration,
  2. Wein, Bier, Sekt, Spirituosen und Liköre beim Kochen, Ablöschen, Flambieren, Marinieren und Backen,
  3. Bier- und Weinteig sowie Teige mit alkoholhaltigen Triebmitteln,
  4. alkoholhaltige Aromen und Extrakte, insbesondere Vanilleextrakt mit Ethanol als Trägerstoff, Rumaroma und alkoholische Backaromen,
  5. Füllungen, Glasuren, Cremes, Saucen und Desserts mit Alkoholanteil, einschließlich zugekaufter Konditorware,
  6. alkoholfrei gekennzeichnete Getränke, die herstellungsbedingt Restalkohol enthalten, sofern der Hersteller den Alkoholgehalt nicht mit null ausweist.

Gemeint ist zugesetzter Alkohol. Spuren, die bei der Herstellung eines Lebensmittels natürlich entstehen und die es nicht zu einem alkoholhaltigen Lebensmittel machen, etwa in Brot, in reifem Obst, in Fruchtsaft oder in Essig, sind nicht erfasst. Ziffer 6 bleibt davon unberührt, denn sie betrifft Getränke.

Essig ist damit zulässig, auch Weinessig. Ziffer 2 meint den Wein und nicht den Essig, der durch vollständige Umwandlung daraus entsteht: Er ist kein alkoholhaltiges Lebensmittel, und nichts daran ist zugesetzt.


A.6 Fleisch, Geflügel und verbotene Bestandteile

A.6.1 Herkunft von Fleisch und Geflügel. Bei Fleisch, Geflügel und daraus hergestellten Erzeugnissen müssen Sie belegen können, dass die Ware aus ritueller Schlachtung nach A.6.2 stammt. Dafür gibt es drei Wege.

  1. Zertifikat des Lieferanten. Der Regelfall. Sie beziehen die Ware von Lieferanten, die für die gelieferte Ware ein gültiges Halal-Zertifikat einer Zertifizierungsstelle vorlegen. Das Zertifikat muss der Ware zuordenbar sein und Schlachtbetrieb, Geltungsbereich und Gültigkeitszeitraum ausweisen.
  2. Dokumentation eines zugelassenen Schlachtbetriebs. Sie beziehen die Ware unmittelbar von einem zugelassenen Schlachtbetrieb, dessen Begleitpapiere die rituelle Schlachtung nach A.6.2 ausweisen. Ein Halal-Zertifikat ist dafür nicht zwingend, die Dokumentation schon. Sie muss sich auf die gelieferte Ware beziehen, und die Zulassung des Betriebs muss zum Zeitpunkt der Schlachtung aufrecht gewesen sein.
  3. Eigene oder beauftragte Schlachtung. Wenn Sie selbst schlachten oder auf Ihre Rechnung schlachten lassen, treten Ihre eigenen Unterlagen an die Stelle des Lieferantenzertifikats: die Zulassung oder Registrierung des Schlachtbetriebs, die behördliche Bewilligung für die rituelle Schlachtung und die Einhaltung von A.6.2. Zulassung und Bewilligung müssen zum Zeitpunkt der Schlachtung aufrecht gewesen sein.

Dabei gilt ohne Ausnahme: Rituelle Schlachtung ist in Österreich nur in einem dafür zugelassenen Schlachtbetrieb und nur im Rahmen der dafür erteilten behördlichen Bewilligung zulässig (Verordnung (EG) Nr. 1099/2009 Artikel 4 Absatz 4, § 32 Tierschutzgesetz). Eine Schlachtung außerhalb dieses Rahmens erfüllt den dritten Weg nicht, auch dann nicht, wenn sie rituell korrekt abläuft.

Auf allen drei Wegen zählt nur, was zum Zeitpunkt der Schlachtung galt. Ein abgelaufenes Zertifikat, ein entzogener Bescheid und eine zurückgenommene Zulassung tragen die Ware nicht, auch nicht rückwirkend für Lieferungen aus der Zeit danach. Ebenso wenig genügen auf irgendeinem der drei Wege eine mündliche Zusage, eine Aufschrift auf der Verpackung ohne Beleg oder die allgemeine Aussage eines Händlers.

Welchen Weg Sie gehen, sagen Sie uns, und Sie belegen ihn. Eine bloße Zusage genügt nicht. Fragen wir nach A.9.2 nach, sehen wir uns die Unterlagen an, die der gewählte Weg verlangt: das Zertifikat, die Begleitpapiere oder Zulassung und Bewilligung. Das ist eine Durchsicht der vorgelegten Unterlagen und keine Zertifizierung Ihres Betriebs, keine Betriebskontrolle und keine laufende Überwachung. A.2 und A.12 bleiben unberührt.

A.6.2 Anforderungen an die Schlachtung. Unabhängig vom Weg nach A.6.1 muss für die Ware gelten: Das Tier lebte zum Zeitpunkt der Schlachtung, die Schlachtung erfolgte durch einen dafür geeigneten Menschen, beim Schlachten wurde der Name Gottes ausgesprochen, und das Blut konnte ausfließen.

Wenn ein Betäubungsverfahren eingesetzt wurde, muss es reversibel gewesen sein und darf das Tier nicht getötet haben. Diese Anforderung ist absolut. Wie Sie sie belegen, ist offen: durch das Zertifikat, durch eine Erklärung des Lieferanten oder durch den veröffentlichten Standard der zertifizierenden Stelle. Das Zertifikat muss das Verfahren nicht benennen. Verlangt wird, dass Sie die Frage auf Anfrage vollständig beantworten können, siehe A.9.2 und Punkt 6.4 der Partnerbedingungen.

Diese Anforderungen geben wieder, was eine Zertifizierungsstelle üblicherweise bestätigt. In den Einzelfragen, in denen die Schulen auseinandergehen, entscheiden sie nichts.

A.6.3 Verarbeitete Fleischerzeugnisse. Für Wurst, Aufschnitt, Fleischfüllungen, Fonds, Brühen und Extrakte gilt A.6.1 unverändert. Zu prüfen sind zusätzlich die Hilfsstoffe nach A.8, insbesondere Därme, Emulgatoren und Trägerstoffe.

A.6.4 Ausnahmslos unzulässig sind:

  1. Schwein und alle daraus gewonnenen Erzeugnisse, einschließlich Schweineschmalz, Schweinegelatine, Speck, Borstenbestandteile und Därme,
  2. Blut und Blutprodukte,
  3. Fleisch von Tieren, die nicht rituell geschlachtet wurden, einschließlich verendeter Tiere,
  4. Raubtiere mit Fangzähnen und Greifvögel mit Fängen,
  5. Esel und Maultier,
  6. Reptilien und Amphibien,
  7. Stoffe aus Insekten, insbesondere Karmin (E120) als Farbstoff und Schellack (E904) als Überzugsmittel,
  8. Gelatine und daraus gewonnene Stoffe aus Tieren, die nicht rituell geschlachtet wurden, insbesondere Rindergelatine,
  9. sonstige Zusatz- und Hilfsstoffe tierischen Ursprungs aus Tieren, die nicht rituell geschlachtet wurden. Ausgenommen ist tierisches Lab nach A.7.

Die Ziffern 1 bis 6 folgen dem, worin die vier Schulen übereinstimmen. Die Ziffern 7 bis 9 tun das nicht. Es sind Regeln von Memnoora, und sie gelten für Ihr über Memnoora angebotenes Sortiment nach A.1, nicht darüber hinaus.

Ziffer 7 geht über die malikitische Auffassung hinaus, die Insekten weiter beurteilt als die übrigen Schulen. Wir nennen den Grund: Bei Karmin steht die Mehrheit der Schulen dagegen, und beide Stoffe stehen als E-Nummer eindeutig in der Zutatenliste. Ein Verbot lässt sich am Etikett nachvollziehen. Ob ein bestimmtes Karmin oder ein bestimmter Schellack nach der Auffassung eines Gastes in Ordnung ist, lässt sich dagegen nicht feststellen, und eine Kennzeichnung müsste genau diese Frage offenlassen.

Die Ziffern 8 und 9 folgen aus A.4.2. Gelatine und Zusatzstoffe aus Tieren ohne rituelle Schlachtung hängen an der Frage der stofflichen Umwandlung, und die ist auch innerhalb der Schulen offen, die sie im Grundsatz anerkennen. Es gibt also keine Auffassung, auf die ein Gast sich stützen könnte, und eine Kennzeichnung müsste wieder genau diese Frage offenlassen. Gelatine und Zusatzstoffe aus ritueller Schlachtung sind unberührt, ebenso tierisches Lab nach A.7.


A.7 Kennzeichnungspflichtige Zutaten und Stoffe

Die folgenden Warengruppen sind zulässig. Enthält ein Gericht eine davon, muss die Beschreibung des Gerichts sie ausdrücklich nennen.

Warengruppe Warum kennzeichnungspflichtig Wie zu kennzeichnen
Meerestiere außer Fisch, also Garnelen, Krebstiere, Muscheln, Tintenfisch Nach malikitischer, schafiitischer und hanbalitischer Auffassung weitgehend zulässig. Nach hanafitischer Auffassung auf Fische beschränkt, mit unterschiedlichen Auffassungen zu Garnelen Art benennen, etwa „mit Garnelen“. Eine Sammelbezeichnung genügt, wenn die Bestandteile in der Beschreibung stehen
Pferdefleisch Innerhalb der Schulen unterschiedlich beurteilt Tierart benennen
Tierisches Lab, also Lab und labähnliche Enzyme aus dem Magen eines Tieres, dessen Fleisch bei ritueller Schlachtung zulässig wäre, etwa Kalb, Lamm oder Zicklein Die offene Frage betrifft allein die Schlachtung, nicht die Tierart: Hanafitisch gilt solches Lab auch ohne rituelle Schlachtung als rein, andere Schulen urteilen enger. Lab aus einem Tier, dessen Fleisch ohnehin unzulässig ist, fällt nicht hierunter, sondern unter A.6.4 Hinweis „mit tierischem Lab“

Drei Warengruppen standen bis ANH-A-2026-01 hier und stehen heute nicht mehr in dieser Tabelle: Stoffe aus Insekten, Rindergelatine und Zusatzstoffe tierischen Ursprungs. Sie sind nach A.6.4 Ziffern 7 bis 9 unzulässig und damit nicht mehr kennzeichnungsfähig, sondern ausgeschlossen.

Die Kennzeichnung erfüllt zugleich Ihre Pflicht aus Punkt 6.2 der Partnerbedingungen zur richtigen Beschreibung Ihrer Gerichte.


A.8 Convenience-Produkte, Fertigprodukte und Zusatzstoffe

Dieser Abschnitt ist in der Praxis der wichtigste. Bei frischem Fleisch ist die Frage offensichtlich. Bei einer zugekauften Sauce, einem Fertigteig oder einem Dessert ist sie es nicht, und genau dort entstehen die meisten Verstöße.

A.8.1 Grundregel. Für jedes zugekaufte Produkt, das Sie nicht selbst aus Grundzutaten herstellen, müssen Sie wissen, woraus seine kritischen Bestandteile hergestellt sind. Dafür genügt einer der folgenden Belege:

  1. ein Halal-Zertifikat für das Produkt oder den Hersteller,
  2. eine Herstellerbestätigung oder eine Produktspezifikation, aus der sich für jeden kritischen Bestandteil die Herkunft ergibt, oder
  3. eine Kennzeichnung als vegan, sofern sie sich auf das gesamte Produkt bezieht. Diese Kennzeichnung schließt tierische Herkunft aus, sagt aber nichts über Alkohol aus, der nach A.5 gesondert auszuschließen ist.

Ergibt sich eine Herkunft vom Schwein, aus Insekten oder ein Alkoholgehalt, ist das Produkt nach A.5 und A.6.4 ausgeschlossen. Dasselbe gilt für Gelatine und für Zusatz- und Hilfsstoffe aus Tieren ohne rituelle Schlachtung, siehe A.6.4 Ziffern 8 und 9. Kennzeichnungspflichtig nach A.7 ist das Produkt nur noch, wenn es eine der drei dort genannten Warengruppen enthält.

Bleibt die Herkunft trotz Nachfrage beim Hersteller offen, setzen Sie das Produkt nicht ein, und stellen Sie es nicht als frei von tierischen Bestandteilen dar. Der frühere Ausweg, es stattdessen nach A.7 zu kennzeichnen, steht nicht mehr offen: Was A.6.4 ausschließt, lässt sich nicht kennzeichnen. In der Praxis ist die Kennzeichnung als vegan nach Ziffer 3 der schnellste Weg zur Klärung.

A.8.2 Warum die Zutatenliste oft nicht ausreicht. Zahlreiche Zusatzstoffe werden über E-Nummern gekennzeichnet, die keinen Rückschluss auf die Herkunft erlauben. Derselbe Stoff kann pflanzlich, mineralisch, mikrobiell oder tierisch hergestellt sein. Die Nummer bleibt dieselbe.

Zwei Nummern sind davon ausgenommen, weil ihre Herkunft feststeht. E120 (Karmin) und E904 (Schellack) stammen immer aus Insekten und sind nach A.6.4 Ziffer 7 unzulässig. Bei ihnen gibt es nichts zu erfragen, sondern nur zu erkennen.

Bei den folgenden Stoffen ist eine Herkunftsauskunft einzuholen. Was die Auskunft ergibt, entscheidet nach A.8.1: tierische Herkunft ohne rituelle Schlachtung schließt den Stoff nach A.6.4 Ziffer 9 aus, und nur tierisches Lab bleibt nach A.7 kennzeichnungsfähig.

E-Nummer Stoff Warum kritisch
E153 Pflanzenkohle kann aus tierischem Material hergestellt sein
E322 Lecithin meist aus Soja, kann aus Ei stammen
E422 Glycerin kann aus tierischen Fetten stammen
E441 Gelatine häufig aus Schwein oder aus nicht rituell geschlachteten Rindern
E470a, E470b Salze von Speisefettsäuren Fettsäurequelle kann tierisch sein
E471 Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren Fettquelle kann tierisch sein
E472a bis E472f Ester von Mono- und Diglyceriden wie E471
E481, E482 Stearoyl-2-lactylat Stearinsäure kann tierisch sein
E483 Stearyltartrat wie E481
E491 bis E495 Sorbitanester Fettsäurequelle kann tierisch sein
E542 Knochenphosphat aus tierischen Knochen
E570 Fettsäuren, Stearinsäure Quelle kann tierisch sein
E631 Dinatriuminosinat kann aus Fleisch oder Fisch gewonnen werden
E635 Dinatriumribonucleotid enthält regelmäßig E631
E640 Glycin kann aus tierischem Material gewonnen werden
E920 L-Cystein kann aus Federn, Borsten oder Haaren gewonnen werden
E1105 Lysozym aus Hühnereiweiß gewonnen

Die Aufzählung ist nicht abschließend. Sie nennt die Stoffe, die in der Gastronomie am häufigsten vorkommen. Bei jedem weiteren Zusatzstoff unbekannter Herkunft gilt A.8.1.

A.8.3 Weitere typische Fehlerquellen. Besondere Aufmerksamkeit verlangen:

  1. Käse mit tierischem Lab, insbesondere Hartkäse und Frischkäse in der Gastronomiepackung, nach A.7 kennzeichnungspflichtig,
  2. Gelatine in Desserts, Süßspeisen, Cremes, Mousses, Fruchtgummi und als Trägerstoff in Überzügen, nach A.6.4 Ziffer 8 unzulässig, soweit sie nicht aus ritueller Schlachtung stammt,
  3. Frittier- und Backfette tierischen Ursprungs, nach A.6.4 Ziffer 9 unzulässig, soweit sie nicht aus ritueller Schlachtung stammen,
  4. Aromen mit Ethanol als Trägerstoff, siehe A.5,
  5. Brot- und Backwaren mit L-Cystein oder tierischen Emulgatoren, nach A.6.4 Ziffer 9 zu beurteilen,
  6. Suppen, Fonds, Würzpasten und Bratensaucen mit Fleischextrakt, nach A.6.1 zu beurteilen,
  7. Molkeerzeugnisse und Molkepulver aus Käseherstellung mit tierischem Lab, nach A.7 kennzeichnungspflichtig,
  8. Überzugsmittel auf Süßwaren und Obst, insbesondere Schellack (E904), der nach A.6.4 Ziffer 7 unzulässig ist,
  9. Nahrungsergänzungs- und Vitaminzusätze in Getränken.

A.8.4 Lieferantenwechsel. Ein Wechsel des Herstellers oder der Rezeptur eines zugekauften Produkts macht den bisherigen Beleg wertlos. Klären Sie die Herkunft für das neue Produkt, bevor Sie es einsetzen, und passen Sie eine allfällige Kennzeichnung nach A.7 an.


A.9 Zertifikate und Nachweise

A.9.1 Keine Aufbewahrungspflicht auf Vorrat. Sie müssen kein Archiv über Zutaten und Lieferungen führen. Verlangt wird, dass Sie die Herkunft Ihrer Ware kennen und die vorhandenen Belege auf Anfrage vorlegen können.

A.9.2 Mitwirkung und Vorlage auf Anfrage. Auf Verlangen wirken Sie an der Aufklärung mit und erteilen die dafür erforderlichen Auskünfte, insbesondere zu Herkunft und Bezugsweg der angefragten Ware. Sie legen die Zertifikate, Herstellerbestätigungen oder Produktspezifikationen vor, die Ihnen zu der angefragten Ware vorliegen, sowie einen Lieferschein oder eine Rechnung, aus der sich der Bezug ergibt. Die Frist beträgt 7 Tage ab Zugang der Anfrage. Eine Anfrage setzt einen sachlichen Anlass voraus, insbesondere eine Meldung nach Punkt 4.6 der Partnerbedingungen.

Liegt Ihnen zu einer Ware kein Beleg mehr vor, teilen Sie das mit und nennen den Lieferanten. Ein fehlender Beleg allein ist kein Verstoß. Ein Verstoß liegt vor, wenn die Ware den Anforderungen dieses Anhangs nicht entspricht.

A.9.3 Meldung von Zertifikaten. Sie melden uns die Halal-Zertifikate, auf die Sie sich stützen, und halten diese Angabe aktuell. Zu melden sind:

  1. die bei Aufnahme in die Plattform vorhandenen Zertifikate Ihres Betriebs und Ihrer Lieferanten für Fleisch und Geflügel,
  2. jedes neue Zertifikat,
  3. jede Änderung eines gemeldeten Zertifikats, insbesondere Verlängerung, Änderung des Geltungsbereichs, Wechsel der ausstellenden Stelle,
  4. der Ablauf, die Aussetzung oder der Entzug eines gemeldeten Zertifikats.

Die Meldung nach Z 2 bis 4 erfolgt unverzüglich, nachdem Sie davon Kenntnis erlangt haben. Zertifikate Ihres eigenen Betriebs laden Sie im Partnerbereich hoch. Alles Übrige richten Sie an office@memnoora.at.

A.9.4 Personal. Sie geben diese Anforderungen an alle Personen weiter, die in Ihrem Betrieb einkaufen, lagern oder zubereiten, und weisen sie in die Prüfung zugekaufter Produkte ein.


A.10 Weitere Meldepflichten

Über A.9.3 hinaus teilen Sie unverzüglich mit:

  1. den Wechsel eines Lieferanten für Fleisch oder Geflügel sowie die Aufnahme oder Aufgabe einer eigenen oder beauftragten Schlachtung nach A.6.1 Ziffer 3,
  2. jede Änderung im Betrieb, die den Grundsatz nach A.3 berührt,
  3. jeden Ihnen bekannt gewordenen Verstoß gegen diese Anforderungen, einschließlich eines Verdachts, der sich auf zugekaufte Ware bezieht.

Die Mitteilung richten Sie an office@memnoora.at.


A.11 Umgang mit Verstößen

Bestätigt sich ein Verstoß, gilt Punkt 12.4 der Partnerbedingungen. Bei vorsätzlicher Täuschung über die Halal-Konformität endet die Partnerschaft mit sofortiger Wirkung.

Betrifft ein Verstoß Ware, die bereits an Gäste ausgegeben wurde, teilen Sie uns das unverzüglich mit. Wir können die betroffenen Gäste sachlich über den Sachverhalt informieren und werden das tun, soweit sie sich feststellen lassen. Ansprüche der Gäste richten sich gegen Sie.

Bei der Kennzeichnung nach A.7 wird unterschieden. Wenn sie fehlt, fordern wir Sie zur Nachbesserung auf. Ein Verfahren nach Punkt 12.4 läuft dafür nicht, weil dem Gast mit der nachgetragenen Angabe geholfen ist und nicht mit der Auslistung des Gerichts. Wenn die Kennzeichnung dagegen falsch ist, ist das eine Täuschung über die Beschaffenheit des Gerichts und wird wie jeder andere Verstoß behandelt.


A.12 Was dieser Anhang nicht ist

Dieser Anhang ist eine vertragliche Regelung zwischen Memnoora und Ihnen. Er ist kein religiöses Gutachten, keine Zertifizierung und keine Bestätigung der Halal-Konformität Ihres Betriebs. Er begründet keine Prüfpflicht von Memnoora und keine Zusicherung gegenüber Ihren Gästen.


Version: ANH-A-2026-02 · Stand 13.09.2026